Während heutzutage Übergewicht und die schwerwiegenden Auswirkungen auf das deutsche Gesundheitssystem immer wieder in den Schlagzeilen der Presse zu finden sind, bleibt ein anderes Ernährungsproblem, dass vor allem kranke und alte Menschen betrifft, noch immer weitestgehend unbeachtet. Die krankheitsbedingte Mangelernährung. Dies ist eine Unter- bzw. Fehlversorgung mit Energie- und Nährstoffen, die im Rahmen einer akuten oder chronischen Erkrankung auftreten kann. Je nach Fachgebiet kann diese bei bis zu 56 Prozent der Patienten festgestellt werden. Dabei sind unabhängig von der Fachdisziplin rund 25 Prozent der Patienten bereits bei der Aufnahme in das Krankenhaus mangelernährt, wie in einer großen deutschlandweiten Studie von Pirlich im Jahr 2006 festgestellt wurde.
Die Folgen der Mangelernährung sind vielfältig. Beobachtet werden unter anderem, neben einem schlechteren Krankheitsverlauf auch ein verstärkter krankheitsbedingter Muskelschwund, sowie bisweilen eine erhöhte Krankenhausverweildauer und Sterblichkeit. Vielfältige Studien zeigen, dass Mangelernährung und deren negative Folgen durch eine gezielte Ernährungstherapie verhindert bzw. behoben werden können.
Der seit 2009 aktive Qualitätszirkel „Klinische Ernährung“ hat sich die Verbesserung der Ernährung der Patienten des St. Marien-Hospitals zum Ziel gesetzt. Aktuell wurde bereits das Management von Patienten mit Schluckstörung standardisiert. Außerdem wurde ein Leitfaden für die klinische Ernährung erstellt, der die Behandlungsteams unterstützen soll. Auf Initiative von Dr. Rainer Wirth, Internist, Ernährungsmediziner und Chefarzt der Klinik für Geriatrie am St. Marien-Hospital wurde nun zusätzlich ein Ernährungsteam gegründet. Dieses besteht aus den Diätassistentinnen Luzia Gesing-Schlattmann und Catharina Prangs sowie der neuen Mitarbeiterin Ernährungswissenschaftlerin Christine Smoliner. Ziel dieses Teams ist es die Qualität der klinischen Ernährung und damit auch die Ergebnisse der Patientenbehandlung noch weiter zu verbessern.
Emöglicht werden soll dieses durch ein systematisches Screening. Die Erfassung von Patienten mit Ernährungsproblemen soll so gewährleistet werden und eine entsprechende Ernährungstherapie nach sich ziehen. Zudem soll die Kommunikation zwischen Patient, Speisenversorgung und Behandlungsteam verbessert werden. Beratungen, gegebenenfalls unter Einbeziehung der Angehörigen, sollen außerdem angeboten werden. „Die sogenannte „Anschubphase“ der Implementation des Ernährungsteams wird rund drei Jahre dauern“, meint Dr. Wirth. Danach soll ein umfassendes Konzept fest im Haus etabliert sein, das diverse Beratungsangebote beinhalten wird. |
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Zur Person
Christine Smoliner absolvierte das Studium der Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. 2006 begann sie ihre Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Klinik für Gastroenterologie an der Charité Universitätsmedizin, Berlin. Nach einem einjährigen Aufenthalt als Wissenschaftliche Assistentin an der Abteilung für Genetik des King's College, London wechselte sie nun als Ernährungswissenschaftlerin an das St. Marien-Hospital Borken. |